Energie & Klimawandel

Beitrag: Kreislaufdenken in der Landwirtschaft – Nachhaltige Nutzung von Ressourcen im Herzogtum Lauenburg

Das Prinzip des Kreislaufdenkens ist eine der wichtigsten Grundlagen nachhaltiger Landwirtschaft und wird in (einfacherer) Form seit Jahrtausenden praktiziert, ist allerdings durch die Spezialisierung vieler Höfe leider oftmals in den Hintergrund gerückt. Es zielt darauf ab, natürliche Ressourcen möglichst effizient zu nutzen, Abfälle zu minimieren und organische Stoffe wieder in den Nährstoffkreislauf zurückzuführen. Im Kreis Herzogtum Lauenburg fördern wir im Rahmen des EU-Projekts KNOWING Climate gemeinsam mit lokalen Landwirtinnen und Landwirten diese nachhaltigen Produktionsweisen, die den Boden schützen, Treibhausgasemissionen reduzieren und die Umwelt entlasten.

Was bedeutet Kreislaufdenken in der Landwirtschaft?

Kreislaufdenken bedeutet hier vor allem, die Verbindung von Tierhaltung und Pflanzenbau so zu gestalten, dass möglichst wenige externe Inputs benötigt werden. Organische Abfälle und Nährstoffe werden nicht entsorgt, sondern bleiben im System: Mist und Gülle aus der Tierhaltung werden als biologischer Dünger eingesetzt, wodurch der Bedarf an mineralischem Stickstoffdünger sinkt. Pflanzenreste und Ernterückstände werden kompostiert oder als Mulch zur Humusbildung und Bodenverbesserung eingesetzt. Besonders wichtig ist der Anbau von Zwischenfrüchten, die Nährstoffe binden, Erosion verhindern, das Bodenleben fördern und durch Winterbegrünung zur ganzjährigen Bodengesundheit beitragen. Zudem lassen sich durch regelmäßige Bodenproben und eine daran angepasste Düngestrategie die Düngemengen gezielt reduzieren, was sowohl den Boden schont als auch das Grundwasser schützt. So schließen sich natürliche Stoffkreisläufe, die nachhaltige Produktion fördern und gleichzeitig die Umweltbelastung verringern.

Kreislaufwirtschaft im Kontext des Kreises Herzogtum Lauenburg

Der landwirtschaftlich geprägte Kreis Herzogtum Lauenburg mit seinen vielfältigen Betrieben und unterschiedlichen Böden bietet ideale Bedingungen für eine Kreislaufwirtschaft. Viele Höfe arbeiten bereits nach grundlegenden Kreislaufprinzipien, etwa durch hofeigene Futterproduktion, Tierhaltung und Kompostierung. Im Projekt KNOWING Climate analysieren wir gemeinsam mit regionalen Akteuren, wie diese Kreisläufe weiter optimiert werden können, um Klima- und Umweltschutz noch stärker zu verankern. Dabei liegt der Fokus vor allem auf einer Förderung der Bodengesundheit und des Humusaufbaus durch organische Rückführung, vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und Winterbegrünung. Ebenso wichtig ist die Reduzierung des Düngemitteleinsatzes durch gezielte Bodenanalysen und bedarfsgerechte Düngestrategien. Ergänzend entsteht ein Austausch über regionale Netzwerke, die organische Reststoffe aus Landwirtschaft und Kommunen erfassen, verwerten und wieder in den Stoffkreislauf zurückführen.

Beispielhafte Maßnahmen und Vorteile

Die nachhaltige Ausbringung von Mist und Gülle verbessert die Bodenstruktur, erhöht die Wasserspeicherfähigkeit und reduziert den Stickstoffverlust in die Atmosphäre oder ins Grundwasser. Entscheidend ist dabei jedoch ein verantwortungsvoller Umgang mit organischen Düngern, denn zu hohe Güllemengen können negative Auswirkungen haben: Überschüssige Nährstoffe – insbesondere Stickstoff und Phosphor – können ausgewaschen werden und Boden, Grundwasser sowie Gewässer belasten. Dies führt unter anderem zu erhöhten Nitratwerten im Trinkwasser, weshalb die Düngermengen sorgfältig an den tatsächlichen Pflanzenbedarf angepasst werden sollten. Zwischenfruchtanbau und Winterbegrünung fördern den Nährstoffhalt, schützen die Böden, reduzieren Bodenerosion und schaffen Lebensräume für Bodenorganismen. Auch die Verwertung organischer Reststoffe wie Grünschnitt oder Ernterückstände durch Kompostierung oder Vergärung trägt dazu bei, Stoffkreisläufe zu schließen und Nährstoffe im System zu halten. Ansätze wie Agri-Photovoltaik können in bestimmten Fällen interessante Ergänzungen darstellen, sollten jedoch im Hinblick auf Landschaftsschutz, Beschattung und Anforderungen an die landwirtschaftliche Bewirtschaftung sorgfältig geprüft werden.

Durch konsequente Kreislaufwirtschaft lassen sich natürliche Ressourcen schonen, Betriebskosten senken und gleichzeitig der Klima- und Umweltschutz stärken. Zudem erhöhen geschlossene Stoffkreisläufe die Widerstandsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Fazit

Kreislaufdenken ist ein Schlüssel für die nachhaltige Transformation der Landwirtschaft im Herzogtum Lauenburg. Es verbindet ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen zu einem integrierten Ansatz, der Betriebserfolg und Umweltschutz vereint. Das Projekt KNOWING Climate unterstützt regionale Akteure dabei, solche Kreisläufe weiterzuentwickeln und praxisnah umzusetzen.

Quellen

  1. https://www.esserwissen.at/nachhaltig-essen/kreislaufwirtschaft
  2. https://www.landini.it/de/welche-vorteile-kann-die-kreislaufwirtschaft-fuer-die-landwirtschaft-bringen/
  3. https://www.aok.de/pk/magazin/nachhaltigkeit/nachhaltige-ernaehrung/kreislaufwirtschaft-so-funktioniert-oekologischer-landbau/
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Kreislaufwirtschaft
  5. https://www.landkreis-lueneburg.de/_Resources/Persistent/f/3/3/4/f334a7be0611ddc0aba087c90d9160e4caa4aca3/Handreichung_Handlungsempfehlung_Landwirtschaft_lange%20Version.pdf
  6. https://www.green-for.com/blogs/nachhaltiges-wissen/kreislaufwirtschaft-definition-vorteile-und-beispiele
  7. https://www.dke.de/circular-economy
  8. https://www.green-and-fair.de/umwelt-und-klimaschutz/kreislaufwirtschaft/
  9. https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20151201STO05603/kreislaufwirtschaft-definition-und-vorteile
  10. https://nachhaltigkeitsnews.de/kreislaufwirtschaft-definition-beispiele/

This project has received funding from the European Union’s Horizon Europe research and innovation programme under grant agreement No 101056841.

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